Hauskapelle

Es versteht sich von selbst, dass ein katholischer Träger an einem Ort wie dem Marienheim eine Kapelle gestalten und einrichten lässt. Geht es in einer Einrichtung, in der alte Menschen ihren Lebensabend verbringen, neben der Pflege und sinnvollen Therapien doch auch darum, der Seele Sorge zu tragen. Ebenso wichtig ist der Ort zur Meditation und zur Zwiesprache mit dem Herrn für die Schwestern des Hauses.

Die Kapellentür steht in einem farbigen Rahmen, gestaltet mit speziell angefertigten Gläsern, in denen sich die österliche Farbe Gelb nach oben hin entwickelt. Quasi als Supraporte ist in der horizontalen Scheibe ein Dreieck mit liegender Acht als Zeichen für unendlich zu sehen. Der Griff trägt als Symbol den Pelikan, ein altes Symbol für Barmherzigkeit, also der erste „greifbare Kontakt" mit der Kapelle.

Dann fällt der Blick auf das Blütenkreuz, das den Refrain der Hymne „Pange Lingua Gloriosi" als Inspiration in sich trägt. Auch das Blütenkreuz, Sinnbild der Metamorphose, wird als altes Symbol wieder aktuell. Sieben Elemente von der Knospe zur Blüte beleben das „Kreuzesholz". In warmem Gelb scheint es sich auf den Raum hin zu bewegen.

Der Altar aus Haardter-Sandstein dreht sich leicht nach oben, rechts der Ambo, links eine Stele mit einer Marienfigur, die einen alten Menschen statt des Kindes hält und birgt. Es ist ein wesentliches gestalterisches Anliegen, der Aufgabe des Hauses wie der geistlichen Tiefe ein bronzenes Bild zu geben. Feine Oberflächenstrukturen, in denen ein Kreuz sichtbar wird, beleben die große Bewegung des Figurenpaares.

Die Elemente Altar, Ambo und Stele sind in einer Umrandung aus selbem Material mit dem Boden verbunden. Tabernakel, Priestersitz und Ewig Licht wurden aus altem Bestand des Mutterhauses übernommen und mit neu angefertigten Konsolen sinnvoll in die Gesamtkomposition eingefügt. Mit Stein und Bronze, Glas und Farbe wurden Materialien einer großen Tradition gewählt. Beim Verlassen des Kapellenraumes ist am Türgriff das Fischsymbol zu erkennen und greifbar, greifbar im Wortsinne.

Die Kapellentür mit dem Glasrahmen ist sozusagen die Pforte, die Membrane zwischen profaner und sakraler Welt.

Prof. Thomas Duttenhöfer - Bildhauer und Professor für Grundlehre und Zeichnen
an der Hochschule Mannheim - gestaltete die neue Hauskapelle im Marienheim.